Lineare Lichtstrukturen und neutralweißes Licht sorgen für gleichmäßige Ausleuchtung und unverfälschte Farbwiedergabe.
Die 1959 eingeweihte Nikodemuskirche der evangelischen Nordkirche in Hamburg-Ohlsdorf, entworfen von Henry Schlote, zeichnet sich im Inneren durch eine prägnante, parabelförmige Tragstruktur aus, die an ein umgedrehtes Schiff erinnert und dem Raum eine leichte, weite und offene Wirkung verleiht. Diese konstruktive Geometrie schafft nicht nur eine besondere räumliche Identität, sondern bildet auch eine hervorragende Grundlage für akustische und lichttechnische Qualitäten – ein „Raum voller Licht”, der sich in seiner ursprünglichen Konzeption bereits für die Präsentation von Kunst eignet.
Mit der Entwidmung im Jahr 2022 wurde das Gebäude unter der Planung von WRS Architekten & Stadtplaner in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt sowie der Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns zum Ausstellungszentrum „Parabel – Zentrum für Kunst in Hamburg” transformiert. Der Umbau folgte dabei konsequent dem Leitgedanken, die charakteristischen Bauteile und die räumliche Wirkung des Bestands weitgehend zu erhalten und gleichzeitig eine zeitgemäße, flexible Infrastruktur für Ausstellungen zu schaffen.
Das Lichtkonzept spielt in der Umgestaltung eine zentrale Rolle und übersetzt die architektonische Qualität des Bestands in eine zurückhaltende, ausstellungsorientierte Lichtstrategie. Anstelle einer sakral inszenierenden Beleuchtung setzt das Konzept auf eine gleichmäßige, lineare Grundausleuchtung in Form durchgehender LED-Lichtlinien entlang der Mittelachse. Diese erzeugen ein homogenes, schattenarmes Lichtniveau, das bewusst auf eine Hierarchisierung des Raums verzichtet und den Fokus vollständig auf die ausgestellten Werke lenkt.
Auffällig ist dabei die Haltung, das Licht nicht zur Betonung einzelner architektonischer Elemente einzusetzen, sondern es strikt an der Raumachse zu führen. Die markante Parabelform bleibt dadurch klar ablesbar und es entsteht eine ruhige, kontrollierte Lichtatmosphäre, die den Raum als Ganzes erfahrbar macht.
Die Wahl einer neutralweißen Lichtfarbe unterstützt eine farbneutrale Wiedergabe der Kunstwerke und verhindert Materialverfälschungen. Gleichzeitig sind die Lichtquellen als schmale, in die Architektur integrierte Linien ausgebildet, die visuell in den Hintergrund treten und weder mit der expressiven Tragstruktur noch mit den Exponaten konkurrieren. Das Licht wird damit bewusst als infrastrukturelles Medium verstanden – präzise, zurückhaltend und funktional.
Insgesamt schafft das Beleuchtungskonzept eine gleichmäßige, belastbare Grundhelligkeit als Basis für kuratorische Eingriffe und ermöglicht durch seine Neutralität eine hohe Flexibilität in der Nutzung.
Montageprofile
H2flex U1 (indirektes Licht nach oben strahlend, unten Erco Stromschiene)



